Sobald an den Straßenrändern wieder die kleinen Holzbuden öffnen, wissen wir alle: Die Spargelzeit ist da. Doch statt weißem Spargel mit Sauce Hollandaise wandert bei uns heute knackiger grüner Spargel in den Wok. Wir kombinieren das Beste aus zwei Welten: unser liebstes heimisches Saisongemüse und das feurige Herz der thailändischen Küche.
In Thailand findest du diesen Klassiker an fast jeder Ecke, oft mit Schlangenbohnen. Aber ich verspreche dir: Der grüne Spargel passt perfekt dazu. Er saugt die würzige Sauce so auf, dass du dich fragen wirst, warum du diese Kombination nicht schon viel früher probiert hast. Es ist schnell, es ist farbenfroh und es schmeckt nach echtem Urlaub.
Was ist Goong Pad Nam Prik Pao?
Falls du dich fragst, was sich hinter diesem klangvollen Namen verbirgt: Im Grunde ist es die thailändische Antwort auf die perfekte Wok-Pfanne. Übersetzt heißt Goong Garnele und Pad bedeutet Rührbraten – also alles, was wir bei hoher Hitze schnell im Wok schwenken.
Das eigentliche Geheimnis ist aber die Nam Prik Pao. Lass dich von dem Wort Chili nicht abschrecken. Es ist keine beißend scharfe Sauce, sondern eher eine tiefrote, fast ölige Chili-Marmelade. Sie wird aus gerösteten Schalotten, Knoblauch, getrockneten Chilis und Garnelenpaste hergestellt.
Das Ergebnis ist eine unglaubliche Geschmacksexplosion: rauchig, süß-pikant und voller Umami. Im Wok verbindet sich diese Paste mit den anderen Saucen zu einem glänzenden Lack, der die Garnelen und den grünen Spargel perfekt umschließt. Es ist ein Gericht, das durch seine Balance besticht – es kitzelt den Gaumen, ohne ihn zu verbrennen, und macht durch seine rötliche Farbe schon beim Hinsehen richtig Appetit.
Warum dieses Gericht für mich besonders ist
Ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als Walnida das erste Mal bei mir in Deutschland war. Überall im Supermarkt und an den Straßenrändern leuchtete uns der frische Spargel entgegen. Walnida war fasziniert von diesem typisch deutschen Saisongemüse, aber natürlich vermisste sie nach ein paar Wochen auch die vertrauten Aromen aus ihrer Heimat Bangkok.
Eines Abends stand sie in meiner Küche und meinte: „Thomas, wir probieren jetzt die thailändische Variante aus.“ Sie schnappte sich den knackigen grünen Spargel und kombinierte ihn kurzerhand mit ihrer geliebten thailändischen Chilipaste – der Nam Prik Pao.
Das Ergebnis war dieses Goong Pad Nam Prik Pao. In dem Moment, als der Duft der rauchigen Chilipaste in der Pfanne auf den frischen Spargel traf, wusste ich: Das ist die perfekte Verbindung zwischen unseren beiden Welten. Der grüne Spargel behält im Wok wunderbar seinen Biss und saugt die würzige Sauce so genial auf, dass er den traditionellen Schlangenbohnen, die man in Thailand verwendet, ernsthaft Konkurrenz macht.
Es ist für uns das ultimative Erinnerungsgericht an ihre erste Zeit hier bei mir – und jedes Jahr, wenn die Spargelzeit beginnt, ist es das erste Gericht, das bei uns auf dem Tisch landet.
Die Zutaten: Tipps und mögliche Alternativen
Für dieses Rezept benötigst du nichts Außergewöhnliches. Die meisten Zutaten solltest du direkt in jedem gut sortierten Asiamarkt finden. Die genauen Mengenangaben habe ich dir wie immer ganz unten in der Rezeptkarte zusammengefasst.
Nam Prik Pao (Thailändische Chilipaste): Das ist das Herzstück des Gerichts. Im Asiamarkt findest du sie oft unter dem Namen „Chili Paste in Soya Bean Oil“. Walnida und ich empfehlen meistens die Marke Mae Pranom (die mit der gelben Kappe), da sie eine tolle Balance aus Süße und feiner Schärfe hat.
Grüner Spargel: Das Schöne am grünen Spargel ist, dass du ihn im Gegensatz zum weißen Spargel meistens nicht schälen musst (außer am untersten Drittel, falls die Schale dort sehr dick ist). Im Wok bleibt er wunderbar knackig und leuchtend grün.
Garnelen: Greif am besten zu bereits geschälten und entdarmten Garnelen in mittlerer Größe. Das spart dir eine Menge Arbeit. Achte beim Kauf auf gute Qualität – sie sollten beim Braten fest und saftig bleiben.
Thai-Basilikum (Horapa): Ganz wichtig! Wir brauchen hier die Sorte Horapa mit den lila Stielen und dem feinen Anis-Duft. Bitte ersetze es nicht durch normales italienisches Basilikum, das würde den Geschmack komplett verändern. Falls du kein Horapa bekommst, lass es lieber weg oder nimm etwas mehr Koriander.
Die Saucen-Basis: Helle Sojasauce, Austernsauce und Fischsauce bilden das thailändische Würzdreieck. Sie bringen Salz, Tiefe und Umami ins Spiel.
Zucker: Sei hier vorsichtig! Da viele Chilipasten von Haus aus schon recht süß sind, solltest du den Zucker erst ganz zum Schluss hinzufügen, wenn du die Sauce probiert hast. Manchmal braucht es ihn gar nicht.
Schritt für Schritt: So machst du Garnelen mit thailändischer Chilipaste
Beim Wok-Kochen ist das Timing alles. Da später am Herd alles in Sekundenschnelle passiert, ist eine gute Vorbereitung die halbe Miete. Schnapp dir deinen Wok und los geht’s:
Schritt 1: Die Saucen-Basis anrühren
Wir starten ganz entspannt, bevor es am Herd heiß hergeht. Mische in einer kleinen Schüssel die thailändische Chilipaste, Sojasauce, Austernsauce, Fischsauce und das Wasser (oder die Brühe). Rühre alles so lange durch, bis eine gleichmäßige, dunkle Sauce entsteht. Das spart dir später wertvolle Zeit, wenn die Hitze im Wok hochgejagt wird und du dich voll auf das Rühren konzentrieren musst.
Schritt 2: Die Aromen im Wok wecken
Erhitze das Pflanzenöl im Wok bei mittlerer bis hoher Hitze. Gib zuerst den gehackten Knoblauch und die Thai-Chilis hinein. Brate beides kurz an, bis dir dieser typische, würzige Duft in die Nase steigt. Aber pass gut auf: Der Knoblauch sollte nur leicht glasig werden und auf keinen Fall braun oder gar schwarz. Verbrannter Knoblauch wird sofort bitter und würde das feine Aroma der Chilipaste später komplett überlagern.
Schritt 3: Garnelen scharf anbraten
Schalte die Hitze jetzt auf die höchste Stufe. Wir wollen das sogenannte „Wok Hei“ – die spürbare Hitze des Woks. Gib die Garnelen hinein und brate sie unter ständigem Rühren kurz an. Sobald sie anfangen, ihre Farbe in ein schönes, kräftiges Rosa zu ändern, sind wir genau richtig. Sie müssen jetzt noch nicht ganz durchgegart sein, da sie gleich zusammen mit dem Gemüse fertig garen.
Schritt 4: Knackiger Spargel und leuchtende Paprika
Jetzt kommen unsere Hauptzutaten: Füge den grünen Spargel, die Zwiebelstreifen und die rote Paprika hinzu. Brate alles für etwa ein bis zwei Minuten unter ständigem Schwenken mit an. Das Ziel ist, dass der Spargel seine leuchtend grüne Farbe behält und das Gemüse knackig bleibt. Durch die hohe Hitze entstehen jetzt genau die Röstaromen, die das Gericht so besonders machen.
Schritt 5: Alles mit der Sauce vereinen
Gieße nun die vorbereitete Saucen-Mischung über die Zutaten im Wok. Rühre alles kräftig um, sodass jede einzelne Garnele und jedes Gemüsestück wie von einem glänzenden Lack umschlossen wird. Falls die Sauce im heißen Wok zu schnell einkocht und zu dickflüssig wird, gib einfach esslöffelweise noch ein wenig Wasser hinzu, bis die Konsistenz perfekt ist.
Schritt 6: Der wichtigste Moment – das Abschmecken
Bevor wir zum Ende kommen, nimm dir einen kurzen Augenblick zum Probieren. Da jede Chilipaste unterschiedlich süß ist, brauchen wir hier dein Feingefühl. Wenn die Balance zwischen salzig, scharf und rauchig für dich stimmt, ist alles perfekt. Falls dir noch ein kleiner Gegenspieler zur Schärfe fehlt, rühre jetzt den halben Teelöffel Zucker unter. Oft braucht man ihn gar nicht, aber dieser Test entscheidet über das perfekte Ergebnis.
Schritt 7: Das aromatische Basilikum-Finish
Nimm den Wok komplett vom Herd. Erst jetzt gibst du die frischen Thai-Basilikumblätter hinzu. Rühre sie nur kurz unter, bis sie durch die reine Resthitze ganz leicht zusammenfallen. Du wirst sofort merken, wie das Basilikum sein unvergleichliches, anisanrtiges Aroma freigibt und den Duft der Chilipaste perfekt abrundet. Serviere dein Pad Nam Prik Pao am besten sofort mit einer Portion dampfendem Jasminreis.

So genießt du dein Pad Nam Prik Pao am besten
Damit dein Goong Pad Nam Prik Pao so richtig zur Geltung kommt, ist der richtige Begleiter entscheidend. Hier sind meine Tipps für das perfekte thailändische Erlebnis bei dir zu Hause:
Jasminreis ist Pflicht: Die Sauce der Chilipaste ist so intensiv und aromatisch, dass sie förmlich nach einem Bett aus duftendem, lockerem thailändischem Jasminreis schreit. Der Reis saugt die süß-rauchige Sauce auf und balanciert die Würze wunderbar aus.
Frische als Kontrast: Da die Nam Prik Pao ein eher reiches, öliges Profil hat, serviert man in Thailand oft ein paar Gurkenscheiben dazu. Das ist nicht nur Dekoration – die kühle Gurke neutralisiert zwischen den Bissen den Gaumen und macht ihn bereit für die nächste Geschmacksexplosion.
Family Style: Wenn du Gäste hast, mach es wie in Thailand: Stell die Wok-Pfanne oder eine schöne Schüssel in die Mitte des Tisches. In Thailand wird geteilt! Kombiniere die Garnelen zum Beispiel mit einer milden Suppe wie unserer Tom Jued, um einen ruhigen Gegenpol zur würzigen Chilipaste zu haben.
Das Auge isst mit: Streue vor dem Servieren noch ein paar frische Thai-Basilikumblätter obenauf, die nicht mitgekocht wurden. Das sieht nicht nur toll aus, sondern gibt beim Essen immer wieder einen frischen, aromatischen Kick.

Goong Pad Nam Prik Pao mit grünem Spargel
Kochutensilien
- Wok (oder eine große beschichtete Pfanne)
- Wok-Spatel
- Kleine Schüssel für die Sauce
- Messer und Schneidebrett
Zutaten
Für die Sauce:
- 2 EL Nam Prik Pao (Thailändische Chilipaste)
- 1 EL helle Sojasauce
- 1 EL Austernsauce
- 2 TL Fischsauce
- 2 EL Wasser oder Hühnerbrühe
Für den Wok-Gang:
- 1-2 EL Pflanzenöl (z. B. Raps- oder Sonnenblumenöl)
- 3-4 Knoblauchzehen (fein gehackt)
- 2-3 Thai-Chilis (gehackt – je nach gewünschter Schärfe)
- 300 g Garnelen (geschält und entdarmt, mittlere Größe)
- 150 g grüner Spargel (in mundgerechte Stücke geschnitten)
- ½ kleine gelbe Zwiebel (in feine Streifen geschnitten/Julienne)
- ½ rote Paprika (oder milde rote Chilis, in Streifen geschnitten)
- 1 Tasse frische Thai-Basilikumblätter (Sorte: Horapa)
- ½ TL Zucker (optional – siehe Zubereitung)
- Gekochter Jasminreis zum Servieren
Anleitungen
- Mische in einer kleinen Schüssel die thailändische Chilipaste, Sojasauce, Austernsauce, Fischsauce und das Wasser (oder die Brühe). Rühre alles gut durch, bis eine gleichmäßige Saucen-Basis entsteht.
- Erhitze das Öl im Wok bei mittlerer bis hoher Hitze. Gib den gehackten Knoblauch und die Chilis hinein. Brate beides kurz an, bis der Duft des Knoblauchs aufsteigt, aber achte darauf, dass er nicht braun oder bitter wird.
- Schalte die Hitze auf die höchste Stufe. Gib die Garnelen in den Wok und brate sie unter ständigem Rühren an, bis sie anfangen, ihre Farbe in ein schönes Rosa zu ändern. Sie müssen hier noch nicht ganz durchgegart sein.
- Füge den Spargel, die Zwiebelstreifen und die rote Paprika hinzu. Brate alles für etwa 1 bis 2 Minuten mit an. Das Gemüse sollte am Ende noch einen schönen Biss haben und leuchtend in den Farben sein.
- Gieße die vorbereitete Sauce über die Zutaten im Wok. Rühre alles kräftig um, sodass jede Garnele und jedes Gemüsestück glänzend mit der Sauce überzogen wird. Wenn die Sauce zu dickflüssig ist, gib esslöffelweise noch etwas Wasser hinzu.
- Probier kurz die Sauce! Da manche Chilipasten bereits sehr süß sind, brauchst du den Zucker eventuell gar nicht. Wenn die Balance zwischen salzig und scharf aber noch einen Gegenspieler braucht, rühre jetzt den halben Teelöffel Zucker unter.
- Nimm den Wok vom Herd. Gib die Thai-Basilikumblätter hinzu und rühre sie kurz unter, bis sie durch die Resthitze leicht zusammengefallen sind und ihr volles Aroma verströmen. Sofort mit frischem Jasminreis servieren.
Notizen
Nährwerte
Guten Appetit
Wir hoffen, dieses Goong Pad Nam Prik Pao wird auch dein neues Lieblingsgericht, um den heimischen Spargel mal ganz anders zu feiern. Für uns ist es immer wieder faszinierend, wie wunderbar der deutsche Frühling und die thailändischen Aromen zusammenpassen. Probier es unbedingt selbst aus! Sobald dieser rauchig-süße Duft der Chilipaste in deine Nase steigt und du siehst, wie die Sauce die knackigen Spargelstücke und die saftigen Garnelen mit einem glänzenden Lack überzieht, wirst du genau verstehen, warum dieses Gericht für uns eine ganz besondere Bedeutung hat.
Wie hat’s geschmeckt?
Bist du auch so ein Fan von der Kombination aus Spargel und der rauchigen Chilipaste geworden? War die Schärfe für dich genau richtig oder hast du mit einer extra Prise Zucker nachgeholfen? Hinterlasse uns gerne einen Kommentar oder eine Sterne-Bewertung – wir freuen uns riesig über jedes Feedback von dir!
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