Thailands Regionen: Ein Land, sechs Welten & unzählige Geschmäcker

Thailands Regionen im Überblick: Vom bergigen Norden bis zu den Trauminseln im Süden. Entdecke kulinarische Highlights & kulturelle Unterschiede der 6 Regionen.

Mehr als nur Norden und Süden

Wenn Freunde mir von ihrem Thailand-Urlaub erzählen, höre ich oft Sätze wie: „Wir waren erst in Bangkok und dann im Süden am Strand.“ Das ist der Klassiker – und absolut verständlich. Aber wer Thailand darauf reduziert, verpasst das Beste. Das Land ist kein kultureller oder kulinarischer Einheitsbrei.

Wer nur Phuket kennt, hat Thailand gesehen, aber vielleicht noch nicht ganz gefühlt.

Meine Freundin kommt aus dem Norden, genauer gesagt aus Nan. Wenn wir dort sind, ticken die Uhren anders als in der Hektik von Bangkok. Und wenn wir ihre Verwandten im Isaan besuchen, ändert sich nicht nur der Dialekt, sondern vor allem das, was auf den Tisch kommt. Um diese Vielfalt wirklich zu verstehen, reicht die grobe Unterteilung in „Nord, Mitte, Süd“ oft nicht aus.

Deshalb nutzen wir hier – und auch in den thailändischen Schulen – meist das 6-Regionen-Modell. Es hilft dir, die feinen Unterschiede in Landschaft, Mentalität und vor allem im Geschmackstopf zu erkennen. Denn ein Curry in Kanchanaburi (Westen) schmeckt völlig anders als eines in Nakhon Si Thammarat (Süden).

Lass uns eine Reise durch die sechs Welten Thailands machen.

Nordthailand – Berge, Nebel & Milde Currys

Der Norden ist für mich der Ort zum Durchatmen. Hier, in den Ausläufern des Himalaya, ist die Landschaft geprägt von bewaldeten Bergen, tiefen Tälern und morgendlichem Nebel. Es ist die Heimat der alten Lanna-Kultur, was wörtlich „Königreich der Millionen Reisfelder“ bedeutet. Die Uhren ticken hier langsamer, die Menschen gelten als besonders entspannt und höflich.

Für uns ist der Norden natürlich etwas Besonderes, da meine Freundin aus der Provinz Nan stammt. Fernab vom Massentourismus findest du hier noch das Thailand von früher – mit alten Holzhäusern, kühlen Winternächten und einer Ruhe, die man in Bangkok vergeblich sucht. Bekannter, aber ebenso faszinierend, sind natürlich die kulturellen Zentren Chiang Mai und Chiang Rai mit ihren spektakulären Tempelanlagen.

Auf dem Teller:
Kulinarisch ist der Norden eine Überraschung für viele, die nur das Standard-Thai-Essen kennen. Da es hier keine Palmen gibt, wird traditionell kaum mit Kokosmilch gekocht. Die Currys, wie das berühmte Kaeng Hang Le, sind eher kräuterlastig, würzig, aber oft milder als im Süden. Und ganz wichtig: Hier regiert der Klebreis (Khao Niao). Er wird mit der Hand zu kleinen Kugeln geformt und in die Dips und Currys getunkt.

Der Nordosten (Isaan) – Das ursprüngliche Herz

Der Isaan ist riesig – er macht etwa ein Drittel der gesamten Landesfläche aus – und doch lassen ihn die meisten Touristen links liegen. Ein Fehler, wenn du mich fragst. Diese Region ist eine weite, oft trockene Hochebene, die an Laos und Kambodscha grenzt. Hier schlägt das landwirtschaftliche Herz Thailands: endlose Reisfelder, Wasserbüffel und ein einfaches, aber herzliches Dorfleben prägen den Alltag. Kulturell spürst du den starken Einfluss der Nachbarn; viele Menschen sprechen hier einen Dialekt, der dem Laotischen sehr nah ist, und im Süden des Isaan findest du beeindruckende Tempelruinen der Khmer.

Städte wie Udon Thani oder die entspannten Provinzen entlang des gewaltigen Mekong-Ufers sind keine Hochglanz-Destinationen, sondern Orte, an denen du das echte, unverfälschte Thailand erleben kannst.

Auf dem Teller:
Die Küche des Isaan hat Thailand – und die Welt – erobert. Sie ist ehrlich, direkt und oft gnadenlos scharf. Hier kommt der weltberühmte Papayasalat (Som Tam) her. Doch Vorsicht: Im Original wird er oft mit Pla Ra zubereitet, einer fermentierten Fischsauce, die für westliche Nasen gewöhnungsbedürftig riecht, aber für die Locals pures „Umami“ ist. Dazu gibt es gegrilltes Hühnchen (Gai Yang) und natürlich: Klebreis, der die Schärfe etwas abmildert.

Zentralthailand – Die Reiskammer & Der pulsierende Kern

Wenn du in Bangkok landest, bist du mittendrin. Zentralthailand ist das wirtschaftliche und kulturelle Kraftzentrum des Landes. Geografisch ist es eine flache, extrem fruchtbare Ebene, durchzogen vom „Fluss der Könige“, dem Chao Phraya. Hier wird der Großteil des thailändischen Jasminreises angebaut, was der Region den Beinamen „Reiskammer“ eingebracht hat.

Das unangefochtene Highlight ist natürlich Bangkok (Krung Thep). Die Metropole ist ein Angriff auf alle Sinne – laut, bunt, modern und traditionell zugleich. Doch nur eine kurze Fahrt entfernt liegt Ayutthaya, die alte Hauptstadt des Königreichs Siam, deren Ruinen von einer glorreichen Vergangenheit erzählen.

Auf dem Teller:
Die Küche Zentralthailands gilt oft als die „klassische“ Thai-Küche, wie wir sie im Westen kennen. Hier strebt man nach der perfekten Balance der Aromen: süß, sauer, salzig und scharf sollen harmonisch nebeneinander stehen. Da Kokospalmen hier gut wachsen, sind cremige Currys auf Kokosmilchbasis – wie das Grüne (Kaeng Khiao Wan) oder Rote Curry – der Standard. Auch die raffinierte „Royal Cuisine“, bei der Zutaten kunstvoll geschnitzt und mildere Gewürze verwendet werden, hat hier ihren Ursprung am königlichen Hof.

Ostthailand – Obstgärten & Die Edelsteinküste

Der Osten ist eine der kleinsten Regionen, aber extrem vielseitig. Er erstreckt sich von den Außenbezirken Bangkoks bis zur Grenze nach Kambodscha. Einerseits ist es ein industrielles Zentrum mit großen Häfen, andererseits ein riesiger Obstgarten. Durch das feuchte Klima gedeihen hier die besten Früchte des Landes.

Touristisch ist die Region zwiegespalten: Da ist das berühmt-berüchtigte Pattaya, das zwar für sein Nachtleben bekannt ist, sich aber langsam wandelt. Wer jedoch echte Natur sucht, fährt weiter nach Koh Chang. Die „Elefanteninsel“ ist die drittgrößte Insel Thailands und bietet noch immer dichten Dschungel und ruhige Strände, die sich deutlich von den überlaufenen Spots im Süden abheben.

Auf dem Teller:
Durch die lange Küstenlinie spielen frische Meeresfrüchte eine Hauptrolle. Die Küche ist oft salzig und scharf, ähnlich wie im Süden. Doch das wahre Highlight wächst auf den Bäumen: Ostthailand ist die Heimat der exotischsten Früchte, darunter die „Königin der Früchte“, die Durian. Man liebt sie oder man hasst sie – aber probieren musst du sie hier unbedingt, wo sie am frischesten ist.

Westthailand – Wilde Natur & Geschichte

Westthailand ist für viele Reisende oft nur ein Tagesausflug von Bangkok aus, dabei verdient diese Region viel mehr Zeit. Landschaftlich wird es hier spektakulär: Hohe Kalksteingebirge und dichte, unberührte Dschungel ziehen sich entlang der langen Grenze zu Myanmar. Es ist eine Region für Abenteurer und Geschichtsinteressierte.

Das Zentrum ist die Provinz Kanchanaburi. Hier findest du nicht nur die weltberühmte Brücke am River Kwai und die bewegende Geschichte der „Death Railway“, sondern auch einige der schönsten Nationalparks des Landes, wie den Erawan-Nationalpark mit seinen siebenstufigen Wasserfällen. Wer Ruhe und wilde Natur sucht, ist hier genau richtig.

Auf dem Teller:
Die Küche im Westen ist geprägt von der „Jungle Food“-Tradition. Da das Meer weit weg ist, kommen hier viele Zutaten aus dem Wald auf den Tisch: wilde Kräuter, Wurzeln, Bambussprossen und Süßwasserfische aus den Flüssen. Die Gerichte sind oft sehr scharf und würzig, wie das „Jungle Curry“ (Kaeng Pa), das traditionell ganz ohne Kokosmilch gekocht wird. Auch der Einfluss des Nachbarn Myanmar ist spürbar, etwa in kräftigen Currys wie dem Kaeng Hang Le, das man auch im Norden findet.

Südthailand – Zwei Küsten & Feuer auf dem Teller

Wenn du an Postkartenmotive von Thailand denkst, hast du wahrscheinlich den Süden im Kopf. Diese schmale Landzunge trennt den Golf von Thailand im Osten von der Andamanensee im Westen. Das Ergebnis: Hunderte Kilometer Küste, kristallklares Wasser und die weltberühmten Karstfelsen. Kulturell tickt der Süden anders; je weiter du Richtung Malaysia kommst, desto stärker wird der muslimische Einfluss spürbar.

Die Namen der Highlights kennt jeder: Phuket, Thailands größte Insel, die Kletterparadiese in Krabi oder die Insel-Trilogie Samui, Phangan und Tao im Golf. Aber auch abseits dieser Hotspots gibt es noch unberührte Ecken wie Khao Sok, einen der ältesten Regenwälder der Welt.

Auf dem Teller:
Achtung, jetzt wird es heiß! Die südthailändische Küche gilt als die schärfste des ganzen Landes. Hier wird nicht mit Chilis gegeizt. Charakteristisch ist zudem die intensive Nutzung von frischem Kurkuma, was vielen Currys und Suppen eine leuchtend gelbe Farbe verleiht – wie beim Kaeng Lueang (Saures Gelbes Curry). Kokosnüsse und Meeresfrüchte gibt es im Überfluss und sie landen in fast jedem Gericht. Wer Fisch und Schärfe liebt, ist hier im Paradies.

Welche Region passt zu dir?

Nach all den Infos fragst du dich vielleicht: „Wo soll ich anfangen?“ Die ehrliche Antwort ist: Es kommt darauf an, was du suchst.

  • Du bist ein echter Foodie? Dann starte in Bangkok für die Vielfalt und reise weiter in den Süden, wenn du Fisch und echte Schärfe liebst.
  • Du suchst Kultur und Ruhe? Dann ist der Norden rund um Chiang Mai oder Nan dein Ziel. Tempel, Berge und milde Currys warten auf dich.
  • Du willst das echte, ungeschminkte Thailand? Dann wag dich in den Isaan. Hier findest du kaum Touristen, dafür aber herzliche Menschen und die vielleicht ehrlichste Küche des Landes.
  • Du willst einfach nur Sonne und Meer? Ab in den Süden oder nach Ostthailand auf die Inseln.

 

Egal für welche Himmelsrichtung du dich entscheidest: Jede Region wird dir eine ganz eigene Version von Thailand zeigen. Und das Beste ist – sie alle schmecken fantastisch.

Unterkategorien

Verpasse nie wieder ein Rezept

Lass dich von Thailand inspirieren – abonniere unseren Newsletter für exklusive Rezepte, persönliche Reiseberichte und echte Einblicke in das Leben vor Ort.